Die Lehre im Fachgebiet Entwerfen und Gebäudekunde begreift Architektur als komplexes System, in dem gesellschaftliche, ökologische, technische und gestalterische Fragestellungen gleichrangig zusammenwirken. Im Zentrum steht der Wohnungsbau – die Bauaufgabe, an der sich gesellschaftlicher Wandel, ökonomische Zwänge und die Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen in besonderer Weise zeigen. Wie sich diese Anforderungen in tragfähige typologische und räumliche Lösungen übersetzen lassen, ist Gegenstand des Faches.
Der Blick richtet sich dabei ebenso auf den Neubau – etwa im gemeinschaftlichen Wohnen, das neue Formen des Zusammenlebens erprobt – wie auf den Bestand: das vorhandene Gebäude ebenso wie das vorhandene Grundstück. An die Stelle weiterer Flächenversiegelung und Ausdehnung treten Verdichtung nach innen, Umbau und Weiterbauen – die Umnutzung und Transformation vorhandener Strukturen ebenso wie das sorgsame Ausschöpfen bereits erschlossener Potenzialflächen. Ein breites typologisches Repertoire, anpassungsfähige Grundrisse und der Wechsel der Maßstabsebenen – vom Städtebau bis zur Grundrissstruktur – eröffnen Spielräume, um unter sich verändernden Rahmenbedingungen wirtschaftlich, ökologisch und sozial tragfähig zu planen.
Dabei bleibt Architektur stets auch eine räumliche Disziplin: Untersucht werden das Zusammenspiel von Raum und Raumfolge, Dimension und Proportion sowie die Wirkung von Licht, Material, Oberfläche und Konstruktion. Diese Aspekte werden nicht isoliert betrachtet, sondern in Beziehung zu Nutzung, Typologie und Kontext gesetzt.
Ressourcenknappheit, steigende Baukosten und gesellschaftliche Veränderungen fordern bestehende Planungs- und Nutzungsmuster heraus. Veränderte Formen des Wohnens und Arbeitens ebenso wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern Raumbedarfe und Planungsprozesse und eröffnen neue Möglichkeiten für Entwurf und Nutzung.
In der Lehre werden diese Zusammenhänge an konkreten Aufgaben und im Dialog mit der Praxis erarbeitet – von der städtebaulichen Setzung bis zum Wohnungsgrundriss. Ziel ist es, Studierende zu befähigen, komplexe Anforderungen zu analysieren, zu gewichten und daraus eigenständige, zukunftsfähige Entwurfshaltungen zu entwickeln. Im Bachelorstudium stehen dabei die Grundlagen räumlicher, typologischer und konstruktiver Zusammenhänge im Vordergrund; im Masterstudium werden diese in komplexeren, experimentellen und transformationsorientierten Aufgaben vertieft.
zuletzt bearbeitet am: 23.09.2026